Challenge Roth - Der Wettkampftag 

Challenge Roth

Ja, der Tag fing gut an – um 3:30 aufstehen, duschen, wach werden. Das Hotel hatte ab 4:00 Frühstück bereit gestellt. Für mich sind immer drei Sachen wichtig: 

  • Flüssig – Ein Glass stilles Wasser mit Zitrone und Salz
  • Leicht und easy zum verdauen – Toast oder ein weisses Brötchen mit Frischkäse und Marmelade
  • Energie – Ein doppelter Espresso zum Abschluss.

Es regnet. Und da war ich voller Hoffnung mal endlich wieder einen Wettkampf ohne Regen vor mir zu haben. Um 4:45 in Auto. Frau und Wettkampfbeute mit der Verpflegung eingepackt. Noch so 35km vor uns meistens Autobahn. Um 5:10 fällt mir wie Schuppen von den Augen, das ich meine Schwimmbrille im Hotel vergessen habe. Fast unmöglich, aber passiert. Es ist zu spät zum umkehren, dann komme ich nicht mehr an mein Fahrrad um die Getränke, Verpflegung und Schuhe anzubringen die Wettkampfzone schließt um 6:15. Nach der ersten Panikattacke hat meine Frau eine gute Idee – raus und per Anhalter weiter und Sie fährt zurück. Könnte klappen hab ich mir gedacht. Meine Startzeit war 6:55 und in Roth fängt die Zeit an zu zählen, wenn du starten solltest. Um 5:45 war ich am Rad und hatte noch genügend Zeit alles vorzubereiten. Um 6:15 war ich fertig und nun stieg die Nervosität mit jeder Minute. Schaft es meine Frau? Sie hatte mich auf dem laufenden gehalten, ich wusste also wann Sie im Hotel angekommen war, zeitlich sehr eng, kommt alles drauf an wie lange die Verkehrsschlange zum Parkplatz war. Nächste Message um 6:30, sie ist in der „Parkschlange“. Um 6:49 war sie am Gitter der Absperrung und gab mir die Brille (meine hat auch noch Stärke, da ich sonst nichts sehe…). Der Wettkampftag, oder zumindest der Start war gerettet. Und Regel Nummer 1: Irgendwas passiert immer bei so einem langen Wettkampf. Meinen Adrenalin hatte ich auf jeden Fall und mit dem Wissen das nun alles glatt läuft bin ich um 6:53 im Wasser und durchschwimme pünktlich um 6:55 die Startlinie.

Roth hat eine der besten Schwimmstrecken. Es ist im Main-Donau Kanal. Einmal rechts bis unter die Brücke and drehen und bis zur nächsten Brücke nochmal drehen und wieder zum Start zurück. Man sieht aus dem Wasser raus die vielen Zuschauer am Rand und auf der zweiten Brücke, kann aber nichts hören. 

Nach 1:10 bin ich durch – für mich eine gute Zeit. Nun den den Wechselbeutel schnappen – Neoprenanzug raus, Brille auf und den ersten Energieriegel schnell in den Magen bekommen. Es hat aufgehört zu regnen und die Temperatur ist angenehm, auch in dem nassen Einteiler. Am Rag noch schnell den Helm auf  und die Startnummer umschnallen und los geht es. Es ist ein 2- Runden Kurs, also 2x 90km. Die ersten km laufen gut, es macht Spass und Schwupp ist die erste Stunde auf dem Rad vorbei, habe so 32km hinter mich gebracht. Es ist ein toller Radkurs, nicht zufiel Anstiege und keine schwierigen Abfahrten, was besonders bei der noch teilweisen nassen Strasse gut ist. Ich komme gut durch und nach so cal 70km bin ich kurz vor dem Solarer Berg. 

Ein, wenn nicht das Highlight in Roth, und auch in der Triathlon-Welt. Es sind hunderte begeisterte Supporter die an dieser Bergauffahrt Spalier stehen. Sehr nahe am Rad, sie könnten einen anfassen. Das Tempo ist langsam das es ja eh ein Berg ist. Bei meinem ersten Rennen in Roth hatte ich den Berg als Stress empfunden, da ich ja nicht an dem vor mir vorbeifahren konnte, diesmal hab ich es nur genossen von den Menschen den Berg „raufgetragen“ zu werden. war ein tolles Gefühl und ich freute mich schon auf die zweite Runde. Nach 90km stand die Uhr fürs Radfahren auf 34km im Schnitt. Das war viel mehr wie mein Plan von >33km/h. Na mal schauen, die Zeiten 90km sind immer länger…. ich wartete auf meinen ersten Tiefpunkt, der komm so immer nach 110km. Aber diesmal kam nichts, auch wenn es zwischen km 110 und 140 es irgendwie gefühlt sehr langsam ging. Ich habe meine geplanten 5 Riegel gegessen, viel Wasser getrunken und fühlte mich gut.

Nach  dem zweiten Mal Solarer Berg ging es in die letzten 25km. Ich hatte mich diesmal in der zweiten Runde sogar noch etwas verbessert und nach 5:11h Radzeit geb ich das Rad einem Helfer. Dazu noch was – Es gibt nur ganz wenige Rennen in der Welt (zumindest die ich erlebt habe), die von den Helfern so super betreut werden, wie die in Roth. Das alleine ist ein Grund mal in Roth zu starten. Ein großes DANKE an dieser Stelle an alle die dieses Jahr mitgeholfen haben! Also wieder einer dieser Helfer bringt mir meinen Wechselbeutel, holt mir meine Sachen raus, reicht sie mir und nimmt mir den Helm ab. Nun in die letzten 42,2km. Man sagt, das ein Ironman erst mit dem Laufen anfängt. Aus Erfahrung kann ich sagen, das stimmt. Nun geht es los. Ich sehe meine Frau, die mir zuwinkt, für mich immer ein besonderer Moment der viel Energie gibt. Der erste km unter 4 Minuten, das geht ja gut los. Der zweite in 4:20, naja nicht schlecht, der dritte 5:00 – das liegt am Anstieg. Mein Plan war etwas langsamer die ersten 20km zu laufen und die Qualen von dem letzten Ironman in den letzten 15km zu umgehen. Ziel war zwischen knapp über den 4:30 zu laufen. Nun km vier war 4:40, mmm na dann etwas mehr anstrengen halt. KM fünf 4:42 und in diesem Rahmen sollte es auch bleiben. In Roth geht es nach km 7 für ca. 20km am Kanal lang, hin und zurück auf ca. 10-12km in die eine Richtung zermürbt mich der Gegenwind, ich habe die Hoffnung das es nach dem Wendepunkt besser wird, aber das hat irgendwie nicht geklappt. Na, erstmal der Zwischenziel von 21,1km schaffen.

Das war der Fall nach ca. 1:40h, ging doch, wenn auch langsamer wie gewollt, aber egal, wenn ich die andere Hälfte in 1:45h hinbekomme, wäre ich unter 10h – das wäre ein Traum. Ab km 25 steigen die Zeiten über 5 Min für den km. Es wir richtig hard. Ich kämpfe mit mir, der Körper will nicht wirklich mehr. Nun werden alles Tricks ausgepackt. Ich erinnere mich an meine letzten langen Läufe, die wirklich gut waren; ich plane ab km 30 an jeder Verpflegungsstation, die so alle 2km war kurz zu gehen, als Belohnung, ich stell mir vor wie einmalig es ist unter 10h zu finnischen. Hilft ein bisschen, aber es wird mit jedem km schwerer. Am km 32 sieht mich meine Frau, ich weiss das sie sieht wie ich leide, sie Versuch es aber zu verbergen… Ich trinke fast nur noch Cola. Die Gehpausen an den Verpflegungsstationen werden länger und die Menschen am Straßenrand versuchen mir zu sagen das ich es ja nicht mehr weit habe. KM40 – das gibt Energie – ich werde es schaffen, nur eine Frage der Zeit. Und dann der letzt km – nun geht es drum den Einlauf zu genießen und die Freude überlagert die körperliche Müdigkeit. Ich lege nochmal etwas zu und nach 3 Stunden und 35 Minuten beende ich den Marathon. Glücklich und zufrieden bekomme ich die Medaille umgelegt. Die Freude, Adrenalin und 1000de Glückshormone strömen in den Körper. Nun will ich nur noch meine Frau in den Arm nehmen, was auch nicht mehr lange auf sich warten lässt. Mit den kleiner 10 Stunden hat nicht ganz geklappt, aber ich bin auch über meine 10 Stunden und 10 Minuten überaus glücklich und zufrieden. Ist meine persönliche Bestzeit. Der nächste Ironman kann kommen  (das hätte mir mal einer bei km 35 sagen sollen….). 

Diesmal wollten wir bleiben bis der letzt einläuft, und das ist in Roth besonders toll organisiert. Das kleine Station ist voll mit Menschen es gibt Musik und Entertainment. Die Zeit bis 23:00 wird sehr kurzweilig. Dort läuft dann der letzt übers Ziel und bekommt von den beiden Gewinnern die Medaille überreicht. Jeder der gefühlten letzten 150 Menschen die nach 15h+ Einlaufen wird gefeiert. Meinen größten Respekt. Ich halte es für viel schwieriger nach 15, 16 mehr Stunden den Wettbewerb zu beenden wie nach 10. Und es fliessen viele Tränen im Ziel – Gänsehaut Feeling. Für mich geht es jetzt nach 5 freien Trainingstagen in die Vorbereitung für den Ironman Cozumel.  

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